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Integration ausländischer junger Menschen

Die Saison der Freizeiten steht vor der Tür. Internationale Begegnungen – zum Beispiel Jugendfreizeiten, Wettbewerbe und Zeltlager mit Partnerjugendfeuerwehren im Ausland – ermöglichen Jugendfeuerwehr-Mitgliedern den direkten Kontakt mit Menschen aus anderen Lebens welten. Hier bieten die Jugendfeuer wehren dem einzelnen Mitglied die Chance, offener und mit mehr Selbst vertrauen auf bislang fremde Menschen zuzugehen.  

 

Wissenschaftler der Universität Regensburg haben mehrere Hundert Jugendliche befragt, die vor mindestens sechs Jahren an internationalen Begegnungen teilgenommen haben. „Die Studie zeigt, dass selbst kurze Aus tauschprogramme nachhaltige Wirkungen bei den Teil nehmenden hervorrufen“, erklärte die zuständige Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Christel Riemann-Hanewinckel, bei der Vorstellung der Ergebnisse vor einem halben Jahr. „Internationale Jugendbegegnungen sind Plattformen für zwangloses interkulturelles Lernen. Menschen müssen sich heute mehr denn je international zurechtfinden. Junge Menschen, die über den nationalen Tellerrand blicken und weltoffen sind, tragen zur Weltoffenheit Deutschlands bei und tun sich wesentlich leichter, Menschen mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft zu integrieren.“

Diese Aussage zeigt: Nicht große pädagogische Konzepte sind bei den Begegnungen in einem Zeltlager oder Workcamp entscheidend, sondern Gelassenheit, unkompliziertes aufeinander zugehen, miteinander spielen, erleben, genießen, reden und üben. Die Jugendfeuerwehren tun sich dabei besonders leicht – Feuerwehrtechnik und das Interesse junger Mitglieder, etwas über die vergleichbare Arbeit in anderen Ländern zu erfahren, ermöglichen „spielerisch“ einen Kontakt untereinander.

 

Jugendaustausch verbindet

Dass Jugendliche Interesse an diesen Kontakten haben, zeigen die positiven Ergebnisse der Studie: 85 Prozent der Jugendlichen bewerten die gemachten Freizeit-Erfahrungen als „gut“ bis „sehr gut“. Sicher erinnert sich auch jeder Leser gern an seine eigenen internationalen Begegnungen zurück. Bleibende Erfahrungen mit großer Wirkung – die es durch die Verantwortungsträger der Jugendfeuerwehren zu initiieren gilt. Die Fördermöglichkeiten durch die Kommune (Städtepartnerschaften), die Gemeinde, den Kreis, das Land, den Bund oder die Europäische Union machen solche Kontakte auch finanzierbar und zusätzlich für die Jugendfeuerwehrarbeit interessant.

Für den Jugendaustausch der Verbände stehen allein durch das Bundesministerium mehr als 33 Millionen Euro jährlich bereit – sichern Sie sich davon einen Teil für Ihre internationale Begegnung! Die Deutsche Jugendfeuer wehr hilft gern weiter.  

 

Natürlich empfehlen wir nur den Jugendfeuerwehren den internationalen Austausch, die auch ernsthaft am Kontakt mit anderen Jugendlichen interessiert sind. Wer nicht auf andere Menschen zugehen möchte, im Ausland kein Interesse am Dialog hat, nur einen Geldgeber sucht, um günstig fern der Heimat sich zu vergnügen, darf keine Fördermittel beantragen. Jede Jugendfeuerwehr im Ausland ist ein Aushängeschild für das deutsche Feuerwehrwesen, für unsere Jugend und auch für Deutschland. So werden heute in besonderem Maße Jugend begegnungen nach Polen, Frankreich, Russland und Israel gefördert – jeder einzelne Dialog hat erhebliche Bedeutung für das positive Bild Deutschlands in der Welt.  

 

Geregeltes Nebeneinander statt Miteinander

Internationale Jugendbegegnungen sind in der heutigen Zeit wertvoller denn je und werden auch von den Jugend feuerwehr-Mitgliedern gern angenommen. Auffällig ist aber, dass in der verbandlichen Jugendarbeit generell nur wenige ausländische Kinder und Jugendliche erreicht werden. Lediglich in Sportvereinen gibt es einen auffällig hohen Anteil ausländischer Mitglieder, deren Zahl allerdings mit fortschreitendem Alter wieder rückläufig ist. In der so genannten offenen Jugendarbeit, also in Jugendzentren und Jugendhäusern, sieht es anders aus. Ob dies ein Zeichen für gelungene Integration ist, sei in Frage gestellt – häufig ist zu beobachten, dass jugendliche Cliquen ausländischer Herkunft dominieren und andere Besuchergruppen verschwinden. Ein Teufelskreis: Je weniger sich junge Menschen verschiedener Kulturen ungezwungen begegnen können, desto mehr werden sich ausländische Jugendliche in Gruppen ihrer eigenen Nationalität zusammenschließen.

Dabei ist das Freizeitverhalten von deutschen jungen Menschen und ihrer Altersgenossen mit Migrations hinter grund allzu ähnlich: Schule, Ausbildung und Arbeit prä gen den Alltag. Fernsehen, Video, Computer, seltener Lesen, Spaß haben mit Freunden sind wesentliche Be schäftigungen. Alle Jugendlichen drängen in ihrer Freizeit aus dem Haus – die Eltern haben eine viel geringere Bedeutung auf ihre Entwicklung als die Clique oder Jugendgruppen. Ihr Aktionsradius ist dabei abhängig vom verfügbaren Geld, von der Integration (gerade ausländischer Mädchen), traditioneller Rollenbilder und dem Verhalten Ihrer Freunde. Die jährliche Shellstudie beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage, inwieweit deutsche und ausländische Kinder und Jugendliche aufeinander zugehen – ernüchternde Ergeb nisse, die weltoffenen Mitarbeitern der Jugendfeuer wehren die Arbeit nicht leicht machen: etwa ein Viertel der Jugendlichen hat beispielsweise Vorbehalte gegenüber Aussiedlerfamilien; je geringer der Bildungsgrad, desto größer die Ablehnung. Sicher spiegelt sich in diesen Ergebnissen die Angst vieler junger Menschen, in Konkurrenz zu anderen keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu erlangen. Es ist daher gut, dass die aktuelle Politik das Märchen von Sozialschmarotzer „Aus länder“ allmählich völlig aus der Welt räumt und auch junge deutsche Menschen begreifen, dass ihre Zukunfts schancen in der Regel weitaus positiver sind, als die ihrer ehemals kasachstanischen oder türkischen Nachbarn.  

 

Schlechtere Bildungschancen für ausländische Jugendliche

Von den Kindern mit in Deutschland geborenen Eltern besuchen mehr als 30 Prozent das Gymnasium; in der Gruppe der Kinder, deren Eltern im Ausland geboren sind, beträgt der Anteil nur knapp 15 Prozent. Fast 50 Prozent der Jugendlichen, deren Eltern beide zugewandert sind, überschreiten im Lesen nicht die elementarste Kompetenzstufe. Die sprachlichen Defizite schlagen sich auch auf Leistungen in Mathematik und den Natur wissenschaften aus. Unzureichendes Lesen beeinträchtigt die Fähigkeit sich Sachwissen anzueignen. Auch wenn nicht jeder in der Feuerwehr über komplexes Fachwissen verfügen muss, um seinen Anteil in der Gruppe erfüllen zu können, liegt hier ein besonderes Defizit ausländischer junger Menschen auch für die Feuerwehren.

Die Pisa-Studie wird besonders interessant, wenn die Integrationsbemühungen verschiedener Länder miteinander verglichen werden; an diesem Punkt kann jeder gesellschaftliche Baustein Deutschlands – so auch die Jugend-Feuerwehren – noch eine ganze Menge von anderen Staaten lernen. Anderswo geht man offener auf fremde Menschen zu. Auch wenn dieser Artikel appelliert, die praktischen Kern aufgaben der Jugendfeuerwehren als wertvollen Weg zur Integration zu nutzen, also zusammen zu üben, zu spielen, zu feiern, zu entdecken, zu fachsimpeln und seine Freizeit zu genießen, wird der ehrenamtliche Mitarbeiter oder die ehrenamtliche Mitarbeiterin immer wieder an seine Grenzen stoßen. So wird in der Päda gogik zunehmend diskutiert, eigene Ausbildungen für ehrenamtliche Betreuer und Ausbilder anzubieten, die eine interkulturelle Kompetenz der Leitungskräfte fördern.

 

Die Ziele solcher komplexer Fortbildungen haben wir in acht Wünsche zusammen gefasst:  

 

  1. Lernen Sie sich mehr in die Einstellung anderer Menschen einzufühlen.
  2. Probleme lassen sich immer aus der Sicht mehrerer Perspektiven betrachten.
  3. Mehrheiten haben genauso Ihre Rechte wie Minderheiten.
  4. Handeln Sie nicht nur nach festgefahrenen Mustern und halten Sie auch Unsicherheiten aus.
  5. Seien Sie neugierig auf verschiedene Nationen und kulturelle Lebenswelten.
  6. Machen Sie sich klar, dass Vorurteile und voreingenommene Bilder auch in Ihrem Kopf und Ihrer Feuerwehr bestehen.
  7. Lernen Sie damit umzugehen, wenn Jugendliche sehr unterschiedliche materielle Möglichkeiten und Bildungschancen haben.
  8. Setzen Sie sich für Menschrechte, soziale Gerechtigkeit, demokratische Spielregeln und Respekt in Ihrem kleinen Einflussbereich „Jugendfeuerwehr“ ein.  

 

Und ein Tipp zum Schluss: Machen Sie nach außen mehr sichtbar, dass Jugendfeuerwehrarbeit auf ihre einzigartige Weise zur Verständigung und Integration beiträgt. Die Jugendfeuerwehren können viel zur Integration ausländischer Menschen beitragen – erst recht, da sie nicht so „verkopft“ herangehen, praktisch experimentieren, häufig ohne viele Worte erfolgreich arbeiten, und sich nicht so mittelstandsorientiert darstellen wie viele andere Verbände. Jeder hat die Chance, seinen Platz zu finden.

 

Stefan Knab